Beziehungswissen

Was solltest Du über Deine Beziehung wissen?

Wir leben im Schnitt in 5 Beziehungen bevor wir heiraten, erleben im Schnitt 2 Ehen und haben auch im Schnitt 2 Kinder. Doch was hat das mit Dir zu tun? Vielleicht bist Du in Deiner ersten Beziehung, hast schon 3 Kinder oder keinen Bedarf nach Kindern?

Meine Erfahrung als Mediator mit Paaren deren Beziehung in Schwierigkeiten steckt ist, dass jede Beziehung einzigartig ist. Der Grund dafür besteht darin, dass wir aus unseren Herkunftsfamilien soviele unterschiedliche "Voreinstellungen" (z.B. Werte, Bedürfnisse, Erfahrungen) mitbringen, dass in einer Beziehung zwei Welten aufeinander treffen. Die Schnittmenge der Welten ist somit jedes Mal einzigartig. Die Lösung für Probleme, die Paare gerade beschäftigen ist somit auch höchst individuell.

Dennoch gibt es Parameter, die für die meisten Beziehungen gelten. John Gottman, ein amerikanischer Beziehungsforscher, hat tausenden Paaren in seinem Ehelabor zugesehen, wie sie miteinander sprechen. Die Auswertung führte nicht nur zu Beziehungswissen, sondern zu vielen verschiedenen Beziehungs-Parametern, die für das Beziehungsglück von Paaren von großer Bedeutung sind. Beispiele hierfür sind

John Gottman kann ebenso aus der Analyse der Paarkommunikation heraus mit großer Wahrscheinlichkeit vorhersagen, ob ein Paar sich trennen wird oder nicht.

Wirst Du Dich trennen?

Beziehungsforscher können bei einem Paar, das sie wenige Minuten beobachten mit bis zu 90% vorhersagen, ob dieses Paar sich trennen wird oder ob es ein "Master of relationship" ist.

Beziehungswissen Scheidungswahrscheinlichkeit

Aus jahrzehntelanger Beobachtung haben Beziehungsforscher abgeleitet, was glückliche Paare von Paaren unterscheidet, die sich trennen (Desasters of relationship). Wenig überraschend geht es dabei um Kommunikation und darum wie wir uns verhalten, wenn wir im Alltag miteinander leben.

Als Beziehungswissen verstehe ich daher Dinge, die unsere Eltern noch nicht wussten und die uns heute aufgrund der Beziehungsforschung und der Erfahrungsberichte von Mediatoren, Psychologen und anderen Experten zur Verfügung stehen.

Wenig überraschend geht es dabei um Kommunikation, Rituale und unsere eigene Einstellung zum Thema Beziehung. Denn oft können wir unseren Partner nicht ändern, unsere Einstellung zur Beziehung, zu dem was ich gehört habe und zur Bewertung was gerade passiert ist sehr wohl.

Gibt es eine Zauberformel für glückliche Beziehungen?

Meiner Ansicht gibt es diese eine Glücksformel nicht. Was es gibt sind viele Bestandteile einer glücklichen Beziehungen, die sowohl von Paaren als auch von Experten bestätigt werden. So sprechen Paare, die ihre Goldene Hochzeit erleben von ähnlichen Ursachen wie dies die Experten tun. Wieder geht es um Kommunikation, aber auch darum wie Mann und Frau mit Konflikten umgehen. Dabei geht es auch um die tagtägliche Entscheidung, ob wir uns einander zuwenden oder nicht. Es sind oft die kleinen Rituale des Alltags wie

  • Guten-Morgen-Kuss
  • Umarmung in der Früh und beim Nachhausekommen
  • Gute-Nacht-Rituale
  • Danke & Bitte und
  • weitere kleine Zeichen der Liebe,

die hier das Kraut fett machen. Paare erleben oft im Alltag Schwierigkeiten in ihrer Kommunikation, die zur Vereinsamung führen bzw. durch die Nähe und Intimität langsam verschwinden. Dabei geht es um Alltagsprobleme wie gegenseitiges Zuhören oder einander verstehen.

Er hört mir nicht mehr zu

In Mediationen erlebe ich sehr oft, wie schwer es Paaren fällt einander zuzhören. Darunter leiden beide Seiten sehr und wünschen sich eine Veränderung beim jeweils anderen Partner. Dabei geht es darum die eigenen Ohren wieder so zu "tunen", dass wir bereit sind zuzuhören OHNE zu unterbrechen. Das ist nach Jahren der Beziehung und schleissigen Ohren oft eine hohe Kunst.

Er hört mir nicht mehr zu

Die Kunst des aktiven Zuhörens

Erst dann wenn ich zuhören kann, kann ich auch anfangen aktiv zuzuhören. Der erste Schritt ist es überhaupt so lange zuhören  zu können, bis mein Partner / meine Partnerin fertig ist damit zu erzählen. Das kann manchmal bedeuten, dass er/sie sich auskotzen muss. Es kann auch Kritik und Nörgeln beinhalten. Dies sind apokalyptische Reiter, die für die Beziehung besonders schwer auszuhalten sind. Doch auch hier gibt es verschiedene "Gegenmittel", die uns helfen wieder zuzuhören.

Er versteht mich nicht

Wenn erstmal das Zuhören nicht mehr funktioniert, dann ist es nur mehr ein Katzensprung bis wir den Eindruck haben, dass wir nicht mehr verstanden werden. Das Kuriose dabei ist, dass wir uns weniger Mühe mit dem Erklären und Beschreiben geben je länger wir uns kennen. Dies geht aus verschiedenen Studien hervor. Das bedeutet, dass wir am Anfang der Beziehung alles genau erzählen und beschreiben und mit der Zeit davon ausgehen, dass unser Partner eh weiß was wir sagen wollen. Das rächt sich, da unser Schatz dann viel weniger Chance hat zu entschlüsseln was wir meinen könnten.

Durch Entschlüsseln und aktives Zuhören gelingt es Paaren wieder miteinander in Kontakt zu treten.

Wenn wir uns keine Mühe mehr geben

Klar ist, dass es ohne Aufwand und Mühe geben nicht funktionieren kann. Ab dem Moment wo wir Kritik und Verachtung zeigen in der Kommunikation, haben wir uns proaktiv dafür entschieden, die Kommunikation zu erschweren. Selbiges gilt bei Nörgeln und Mauern. Dies sind Kennzeichen dafür, dass sich die Beziehung in Schwierigkeiten befindet.

An diesem Punkt angelangt, gibt es  verschiedene Möglichkeiten sich Hilfe in der Beziehung zu holen. Einige Paare wenden sich an einen Mediator, oder einen Paartherapeuten. Andere reden mit Freunden oder lesen einen Ratgeber bzw. suchen im Internet Blogs, die ihnen weiterhelfen.

Oft ist die Enttäuschung bereits so groß, dass wir uns gar nicht mehr unserem Partner zuwenden. Ab diesem Moment ist es wichtig sich zu fragen, was Mann/Frau sich von der Beziehung wünscht bzw. erwartet? Hier hilft es oft sich die Frage nach den eigenen Bedürfnissen und Wünschen zu stellen und herauszufinden, ob der Partner diese kennt.

Er hat keine Ahnung wie es mir geht - Selbstbild-Fremdbild

Nach einiger Zeit entsteht der Eindruck, dass uns unser Partner gar nicht mehr kennt, bzw. eigentlich nicht weiß was wir wollen, wer wir sind und was wir uns wünschen von ihm/ihr. Das Selbstbild weicht somit erheblich vom Fremdbild ab.  Dies ist ein guter Moment um miteinander die Partnerlandkarte zu betrachten.

Er hört mir zu - die Partnelandkarte

Kennt er meine Bedürfnisse überhaupt? - Die Partnerlandkarte

Die Partnerlandkarte ist eine imaginäre Landkarte auf der unsere Bedürfnisse, Werte, Familiengeschichte, Zukunftsvorstellungen etc. abgebildet sind. Sie ist die Grundlage einer glücklichen Beziehung, da die gegenseitige Kenntnis der Partnerlandkarte eine Voraussetzung dafür ist, dass wir wissen wohin unsere gemeinsame Beziehungsreise geht.

Die Partnerlandkarte ändert sich in regelmäßigen Zeitabständen, weil wir uns verändern. Was in den 20ern wichtig war, ist oft 10 Jahre später nicht mehr so relevant. Ziele verändern sich bei Paaren z.B. wenn sie Kinder bekommen ebenso wie wenn sich in ihrem Umfeld etwas verändert (z.B. Tod eines Angehörigen, Jobverlust etc.).

Mit der Beziehungreise zur Partnerlandkarte

 

Weitere Aspekte des Beziehungswissens

Beziehungswissen ist nicht die letzte einzigartige Antwort auf Deine Fragen. Denn auch hier gibt es "die Wahrheit" nicht. Vielmehr ist es ein Bereich aus dem wir als Menschen und die Forschung genauso ständig neue Erkenntnisse gewinnen. 

Somit ist auch klar, dass wir unsere Beziehung ebenso wie Lebenslanges Lernen ständig pflegen sollten, damit diese lebendig und nachhaltig bleibt.