Ab wann braucht Deine Beziehung Hilfe?

Der richtige Zeitpunkt - die 18 Monate-Regel

Gibt es ihn - den optimalen Zeitpunkt an dem Deine Beziehung Hilfe braucht? Die Beziehungsforschung hat sich mit dieser Frage bereits beschäftigt und z.B. festgestellt, dass Paare bei dem ersten Kind ca. 18 Monate nach der Geburt den optimalen Zeitpunkt haben, um die Veränderungen in der Beziehung nach der Geburt des ersten Kindes miteinander zu besprechen.

Beziehung retten  noch möglich?

Oft sind Paare überrascht, wenn ich ihnen erzähle, das es erst 18 Monate nach der Geburt Sinn macht miteinander über die Beziehung, die neue Lebenssituation und vor allem über das was sich geändert hat miteinander zu sprechen. Nach ihrem Empfinden sollte das Gespräch viel früher stattfinden.

Es braucht jedoch mindestens 1 Jahr bis die groben Folgen des ersten gemeinsamen Kindes (z.B. Schlafentzug, postnatale Depression bei Männern und Frauen, neue Arbeitsteilung) verdaut sind. Dann wird wieder klarer sichtbar, was wesentlich ist und was nicht. Und es ist möglich für die Beziehung neue Regelungen zu treffen, die die Bedürfnisse und Wünsche von allen Beteiligten berücksichtigen können.

Doch was ist mit den Situationen in denen nicht um das 1. Kind geht? Wann sollen sich Beziehungen, die in Schwierigkeiten sind weil

  • es nicht mehr so gut läuft,
  • sie weniger Sex haben oder
  • die Kommunikation sich im Kreis dreht Hilfe holen?

Die klassischen Beziehungskrisen

Wie ist es dann mit der 3-Jahreskrise oder der 5 Jahreskrise? Was ist mit dem kritischen 7. Jahr? Was kann ich tun, um hier rechtzeitig gegenzusteuern? Gibt es für Beziehungen den optimalen Zeitpunkt vor oder nach einer Krise, um die Beziehung zu retten?

Zu diesen Fragen gibt es statistische Daten, wann sich Paare trennen, bzw. wieviel Prozent sich im 3. Jahr, im 5. Jahr bzw. nach dem 7. Jahr trennen. Doch diese sind meiner Ansicht nach sehr selten im Einzelfall hilfreich. Sie sagen wenig aus darüber, warum sich ein Paar getrennt hat, bzw. was die Krise ausgelöst hat.

Beziehung in der Krise

Die Ursachen für Beziehungskrisen sind höchst individuell bzw. entstehen aus der oft einzigartigen Dynamik der Paarbeziehung. Es sind Faktoren wie Persönlichkeit, Alter, Lebensumstände, Kinder, externe Krisen (z.B. Tod, Arbeitslosigkeit) die Paarbeziehungen ins Schleudern bringen. Oft hat sich die Kommunikation einfach abgenutzt im Laufe der Jahre und beide haben

1) das aktive Zuhören,

2) das Fragen stellen und

3) das Entschlüsseln verlernt. Bei vielen Paaren sind ihnen

4) die kleinen Rituale des Alltags verloren gegangen. Es fehlt an kleinen Gesten, die es einfacher machen mit den Mißverständnissen des Alltags umzugehen.

Unabhängig von den Ursachen der Beziehungskrisen schaffen es die wenigsten Paare sich regelmäßig und rechtzeitig Hilfe von außen zu holen. Woran liegt das?

 

Warum fällt es schwer sich in der Beziehung helfen zu lassen?

1. Der Intimbereich Paarbeziehung

Die Paarbeziehung ist einer der größten Intimbereiche der Menschen, da es um Themen wie Liebe, Sex, Vertrauen, Zukunft und vor allem um die ureigensten Bedürfnisse nach Geborgenheit, Wertschätzung und Unterstützung geht. Falls hier etwas nicht "funktioniert" oder nicht so läuft wie wir es uns vorgestellt haben, fehlen uns oft die Werkzeuge bzw. das Beziehungswissen, wie wir uns selbst helfen können.

Die gute Nachricht ist, dass es Werkzeuge gibt, die Paaren dabei helfen ihre Beziehung wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die schlechte Nachricht ist, dass wir oft nicht wissen, wo wir diese finden können bzw. an wen wir uns wenden könnten falls wir Hilfe brauchen. Daher habe ich in diesem Artikel Beziehungswissen mit Informationen zu den jeweiligen Kommunikations-Werkzeugen zur Verfügung gestellt. Du findest hier auch einfache Anleitungen wie Du Deine Beziehung wieder in Schwung bringen kannst.

Ein weiterer Grund warum wir oft zu spät Beziehungshilfe von außen zulassen ist die Perfektionismusfalle.

2. Die Perfektionismusfalle

Unsere Beziehungen stehen unter dem Druck möglichst perfekt zu sein bzw. den Anschein der Perfektion möglichst lange aufrecht zu erhalten.

Ein Beispiel für den Perfektionismus in unserer Beziehung ist die Bedeutung der Hochzeit für die Beziehung.

Viele Paare bereiten sich ein ganzes Jahr auf diesen schönsten Tag des Lebens vor. Sie investieren Geld, Zeit und viel Energie darin hier alles möglichist perfekt zu gestalten. Oft vergessen Paare dabei sich zu entspannen, bzw. den Partner / die Partnerin in die Planung und Organisation so miteinzubeziehen, dass es eine gemeinsame Hochzeit ist bzw. bleibt.

Am Tag der Hochzeit läuft im Kopf bei vielen Paaren die To-do-Liste ab und sie tun sich schwer sich einfach zu entspannen und ihren schönsten Tag des Lebens zu genießen. Der eigentliche Perfektionismus-Indikator ist genau der Umstand, dass es sich um den schönsten Tag des Lebens handeln soll.

Durch diese Erwartungshaltung entsteht nicht nur viel Druck, sondern das Wesentliche gerät in den Hintergrund: Das Ritual mit dem zwei Menschen einander versprechen, dass und mit welchen Grundregeln sie ein Leben miteinander verbringen wollen.

Die Perfektionismusfalle und ihre Bedeutung für die Beziehung gibt es auch in der Zeit vor und nach der Geburt des ersten Kindes. Schwangere Paare freuen sich gemeinsam auf ihr Kind und planen jedes Detail miteinander. Die Gestaltung des Kinderzimmers, die Geburtsvorbereitungskurse und Gespräche über die Zeit nach der Geburt sind gemeinsame Projekte mit denen zum Ausdruck kommt, wie sehr sich die Paare auf ihr erstes Kind freuen.

Ein Jahr nach der Geburt ist oft vieles ganz anders. Einer von beiden geht arbeiten, die /der Andere ist zuhause. Das Kind hat sich vom gemeinsamen zum einsamen Projekt entwickelt. Erste Ausdrücke der Enttäuschung zeigen sich in der Beziehung, wie z.B.

  • wenig(er) Sex,
  • kaum Kuscheln und
  • eine Abwesenheit von Ritualen (Bitte, Danke, Umarmungen, positive Kommunikation, etc.).

Viele Paare schaffen es kaum Zeit zu finden oder zu organisieren, wo sie nur zu zweit sind ohne Kind. Die Folge ist oft, dass Nähe und Intimität langsam abhanden kommen, was nicht zuletzt Sex miteinander erheblich erschwert in vielen Beziehungen.

Während Sex ein Indikator ist, ist die gemeinsame Kommunikation oft das erste "Opfer" der Perfektionismusfalle. Während die Beziehung von innen heraus ausgehöhlt wird durch die wachsende Enttäuschung, besteht dennoch das Bedürfnis die glückliche Familie darzustellen.

Ein Kennzeichen hierfür ist meiner Ansicht nach die Selfie-Kultur. Je öfter wir unsere Beziehung auf sozialen Medien abbilden / darstellen, desto weniger entspricht dies der gefühlten Realität. Laut einer aktuellen Studie sind Beziehungen weniger glücklich, wenn sie öfters Selfies von sich online stellen auf Facebook.

3. Hohe Erwartungshaltungen

Hohe Erwartungshaltungen an die Beziehung, den Parter und uns selbst kommen noch erschwerend hinzu, wenn es darum geht uns helfen zu lassen. Je höher Deine Erwartung an Deine Beziehung, Dich selbst, Euer Glück, den nächsten Urlaub, etc. desto geringer ist oft auf Dauer die persönliche Zufriedenheit damit.

Beispiel Sex: Was hat meine Zufriedenheit mit meiner Erwartungshaltung zu tun?

Laut einer kanadischen Studie hängt unsere eigene Sexuelle Zufriedenheit direkt mit unseren Annahmen über Sex anderer Menschen (= was "normal" ist) zusammen. Dabei nehmen wir oft an, dass unsere "peers" - d.h. Gleichgesinnte, Freunde, Nachbarn etc.) - öfter, länger, mehr und wilderen Sex haben als wir selbst. Interessant ist auch, dass wir besonders unzufrieden sind, wenn wir wenig Sex haben und davon ausgehen, dass unsere peers viel Sex haben.

Daraus ergibt sich folgende "Zufriedenheits-Formel":

Sexuelle Zufriedenheit = Erreichter (tatsächlicher Sex) / Erwarteter (als Norm angenommener) Sex

Wenn Du diese Formel auf Deine Beziehung - und nicht nur auf Euer Sexualleben anwendest, kannst Du sehen wie Deine Zufriedenheit mit der Beziehung mit Deinen Erwartungen zusammenhängt. Je höher die eigene Erwartung an die Beziehung desto geringer ist die Zufriedenheit, wenn das Erreichte (z.B. beim Sex) nicht hoch/groß/viel ist.

Sex  in der Beziehung

Wie können die 3 Faktoren meine Beziehung retten?

Ausgangslage / Problem Das kann ich tun, um die Beziehung zu retten

1. Der Intimbereich Paarbeziehung: alle Probleme sind privat und sollen es bleiben.

Schritt 1: Suche jemanden mit dem Du über die Situation sprechen kannst.

Schritt 2: Finde Beziehungswissen zu Deinem Thema in diesem Blog oder anderen Beziehungsblogs. Informiere Dich darüber was die Norm ist bzw. was andere Paare in Deiner Situation tun.

Schritt 3: Bringe die Themen, die Dir wichtig erscheinen ans Tageslicht und spreche mit Deinem Partner / Deiner Partnerin darüber. Nutze Kommunikations-Werkzeuge (Beziehungskoffer) falls es Dir schwer fällt über Beziehungsthemen zu sprechen. Hier findest Du 170 verschiedene Fragekarten, mit denen Du wichtige Beziehungsfragen strukturiert und lösungsorientiert angehen kannst. Du kannst Dir selbst aussuchen, welche Fragen Du gerne stellen möchtest. Und Dein Partner / Deine Partnerin hört zu und versucht die Frage zu beantworten. Dann wechselt ihr euch ab. Neben aktivem Zuhören lernt ihr dabei zu entschlüsseln und bei wichtigen Beziehungsthemen Selbstbild vom Fremdbild zu unterscheiden.

2. Die Perfektionismusfalle

Schritt 1: Identifiziere für Dich selbst die Bereiche, die Dir wichtig sind. Geht es um eine saubere Wohnung, warmes Essen oder soll die Wäsche gebügelt sein? Was genau ist mir wichtig?

Schritt 2: Bitte Deinen Partner / Deine Partnerin ebenso sich diese Fragen (Schritt 1) zu stellen.

Schritt 3: Macht den Selbstbild/Fremdbild-Vergleich, indem ihr neben Eure eigene Liste eine Partnerliste macht. Auf der Partnerliste stehen Deine Annahmen welche Bereiche Deinem Partner / Deiner Partnerin wichtig sind.

Schritt 4: Vergleicht die Resultate. Sprecht miteinander darüber. Stellt eine Liste auf mit den Bereichen, die Euch gemeinsam wichtig sind. Dabei ist es wichtig Euch bei jedem Ziel / jedem Bereich zu fragen, ob dies für euch und eure Beziehung wichtig ist.

Ein Tipp: Gerade wenn es mit der Zeit eng ist, der Alltagsstress hoch ist, wird es wichtig die Parameter des Alltagslebens (Saubere Wohnung, Aufgeräumtes Wohnzimmer, Warmes Essen, etc.) miteinander durchzusprechen und sich die Frage zu stellen ,wo ihr beide "nachlassen" könnt bzw. was wirklich wichtig ist und was nicht. Es gilt hier das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen.

 3. Hohe Erwartungshaltung

Schritt 1: Stelle Dir die Frage in welchen Bereichen des Beziehungsalltags bin ich zufrieden und in welchen bin ich es nicht? Schreibe es auf.

Schritt 2: Schaue Dir dazu Deine Erwartungshaltung an? Zum Beispiel beim Sex: Wie oft in der Woche hättest Du gerne Sex? Und warum ist dies so? Gibt es einen Vergleich den Du hier machst?

Oder z.B. bei der to do Liste: besteht die Erwartungshaltung an Dich selbst, das Du das alles selbst schaffst? Dann frage Dich warum Du diese Erwartungshaltung hast? Und wo Du Dir Hilfe holen könntest? Welche Aufgaben könntest Du delegieren? Und an wen? Welche Aufgaben braucht es unbedingt und welche gar nicht? Welche hängen mit Deiner persönlichen Zufriedenheit - mit Deinem Wohlbefinden zusammen?

Der wesentliche Unterschied zum Perfektionismus ist, dass es bei der Erwartungshaltung um ein persönliches Thema geht. Hier kannst Du die Ergebnisse mit Deinem Partner besprechen, musst dies aber nicht. Vielmehr geht es darum die eigene Zufriedenheit und Erwartungshaltung zu betrachten und daraus folgend Dinge zu ändern bzw. neu zu regeln.

 

Wie finde ich heraus, welche Hilfe meine Beziehung braucht?

 

So geht es uns / mir jetzt
Das kann mir helfen

 Ich erhalte zu wenig Wertschätzung

Schau Dir Deine eigene Kommunikation in der Beziehung an. Wie ist das Verhältnis zwischen positiver und negativer Kommunikation?

Finde heraus in welchen Bereichen Dir Wertschätzung wirklich wichtig ist und kommuniziere dies Deinem Partner.

Und noch wichtiger: Beginne selbst damit positiv zu kommunizieren. Oft hilft es die kleinen Rituale des Alltags (z.B. Bitte, Danke, eine Umarmung, ein Kuss) zu initiieren oder zu verstärken.

Wenn Du gerne mehr Wertschätzung erhalten möchtest: Schenke Deinem Partner / Deiner Partnerin die Spiele-Box für Paare und beginne damit Happy Messages auszufüllen. Und freue Dich auf die Antworten :-)

Ich brauche Hilfe und bekomme keine!

Schritt 1: Schaue eine Woche lang Deinen Tagesablauf genau an und schreibe Dir die Bereiche auf, in denen Du Hilfe brauchst.

Schritt 2: Überlege genau wer Dir helfen kann? Wo kann dies nur Dein Partner / Deine Partnerin und wo könnte es auch eine externe Hilfe sein?

Schritt 3: Setzt euch zusammen und geht die Aufzeichnungen gemeinsam durch. Dabei ist es wichtig, dass Dein Partner/ Deine Partnerin Dich nicht unterbricht bis Du ganz fertig bist.

Viele Paare kommen schwer zu Schritt 3, da es kaum mehr möglich ist miteinander über Dinge zu sprechen, die kritisch sind bzw. bei denen es unterschiedliche Standpunkte gibt. Hier können Kommunikations-Werkzeuge aus dem Beziehungskoffer hilfreich sein. Dies ist neben aktives Zuhören auch die Paarkommunikationsanalyse und die Mediation ohne Mediator. Alle 3 Kommunikations-Werkzeuge findet ihr im Beziehungkoffer.

 

Mehr Infos zum Beziehungskoffer findest Du im Beziehungs-Shop hier. 

Wir reden nur mehr über Themen wie Haushalt, Kinder und Organisation.

Überlege welche Beziehungsritual ihr beide gerne habt? Gemeinsam spazieren, essen gehen, ein Wellness- Wochenende? Nutze dies und vereinbart vorab, dass ihr nicht über Eure Arbeit und über Kinder / Haushalt sprecht.

Kommunikation nutzt sich mit der Zeit ab. Es wird schwieriger zuzuhören. Gleichzeit geben wir uns weniger Mühe klar zu kommunizieren. Macht miteinander eine Beziehungsreise (Teild es Beziehungskoffers).

 Beantwortet  miteinander 20 von 170 verschiedenen möglichen Fragen und findet heraus wo ihr gerade steht und welches Kommunikations-Werkzeug euch am meisten helfen kann.

 

 

 

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