5 Themen, die jede Beziehung betreffen

Beziehungsthemen

Kennst Du die Antwort auf folgende 5 Fragen?

1. Glückliche Beziehung: Was macht eine glückliche Beziehung aus?

2. Kommunikation: Welche Kommunikationswerkzeuge braucht meine Beziehung?

3. Kinder: Wie wirken sich Kinder auf die Beziehung aus? 

4. Beziehungsprobleme: Wie gehe ich mit Stress in der Beziehung um?

5. Trennung und Scheidung: Was kann ich tun, damit es nicht soweit kommt?

Im Beziehungs-Shop für Paare findest Du zu jeder Fragen Antworten und Informationen, die für Deine Beziehung hilfreich sind. Dabei geht es mir darum Informationen aus der Beziehungsforschung, Studien und Beziehungsbüchern so aufzuarbeiten, dass Du diese Information in Deiner Beziehung anwenden kannst.  

1. Glückliche Beziehung: Was macht eine glückliche Beziehung aus?

Das Thema ist für alle Paare relevant. Die Antwort auf die Frage ist dabei sehr individuell. Für manche Paare besteht eine glückliche Beziehung darin mit einander  Kinder zu bekommen. Für andere Paare ist das Glück in der Beziehung das gemeinsame Reisen. 

Dabei geht es mir beim Thema glückliche Beziehung darum Paaren, die mit ihrer Beziehung nicht zufrieden sind, dabei zu helfen, dass ihre Beziehung

  • glücklich bleibt
  • glücklich wird
  • noch glücklicher wird

Doch wie geht das?

Hier gibt es verschiedene Quellen des Beziehungsglücks. Einerseits werde ich von den Erfahrungen der Paare erzählen, die ich über die Jahre kennen gelernt habe. Deren Erfahrungsschatz enthält oft Ideen und Tipps, die wir in der eigenen Beziehung einbauen können.

Ein Beispiel hierfür sind Rituale. Paare haben verschiedene Beziehungsrituale, die sie im Alltag anwenden. Dies kann der Gute Morgen Kuss sein, oder es sind kleine Aufmerksamkeiten. Das Gute-Nacht-Ritual ist ein Beispiel für eine Paargeschichte, die mir in der eigenen Beziehung geholfen hat. 

Das Gute Nacht Ritual

In der Nacht vor dem Einschlafen frage ich meine Frau bzw. sie mich folgendes:

Was war heute das Schönste?

Diese scheinbar einfache Frage vor dem Einschlafen versüßt uns die Träume im doppelten Sinn:

  • Erstens bietet es die  Möglichkeit das Positive in der Beziehung, am Alltag, in der Firma hervorzuheben.
  • Zweitens ist es ein Verstärker für das Beziehungsglück, da wir besser gelaunt einschlafen  und aufwachen. Dadurch wiederum wird die Beziehung gestärkt.


Dieser Effekt wurde bereits in der Beziehungsforschung untersucht und bestätigt. Es reicht, dass wir die Frage stellen und beantworten vor dem Einschlafen. Wir schlafen besser und wachen mit einem positiven Gefühl am nächsten Morgen auf. Das wiederum macht den Einstieg in den Tag leichter. 

Weitere Rituale und Effekte für deine glückliche Beziehung

Das Gute Nacht Ritual ist nur eines von vielen, die helfen eine glückliche Beziehung auf Dauer zu erleben. Weitere Beispiele sind der 6 Sekunden-Kuss oder die optimale Umarmung. Beide Beispiele verdeutlichen, dass es bei der glücklichen Beziehung nicht nur um Kommunikation miteinander geht. Dennoch ist eine positive und wertschätzende Kommunikation auch ein wichtiger Bestandteil glücklicher Beziehungen. 

2. Kommunikation: Welche Kommunikations-Werkzeuge braucht meine Beziehung?

Kommunikation ist für Menschen, die lange miteinander zusammen sind eine echte Herausforderung. Dies gilt im Beruf und im Privatleben. Je besser wir uns kennen, desto schleissiger wird unsere Kommunikation miteinander. Dies gilt für Sender wie Empfänger von Botschaften. 

In der Beziehungsforschung wird unsere abnehmende Fähigkeit klar miteinander zu kommunizieren als Closeness Communication Bias bezeichnet. Je besser wir uns kennen, desto "schlechter" wird unsere Kommunikation miteinander. 

Wie kann ich feststellen, ob es unserer Kommunikation miteinander gut geht? 

Meistens wissen Paare, ob es ihrer Kommunikation gut geht. Oft ist eine Seite in der Paarbeziehung mit der Kommunikation in der Beziehung nicht mehr zufrieden und hat das Gefühl, dass der Partner / die Partnerin dies nicht so sieht bzw. nicht so ernst nimmt. 

Die Beziehungskarten mit den darin enthaltenen Beziehungsfragen sind eine Möglichkeit miteinander festzustellen, wie es der Kommunikation in der Beziehung geht. 

Wie funktionieren die Beziehungskarten?

1. Du suchst Dir eine Beziehungskarte aus, die zu euch passt und liest diese vor.

2. Dein Partner hört Dir dabei zu und beantwortet die Frage. 

3. Bei der Frage und Antwort gilt es verschiedene Kommunikations-Werkzeuge anzuwenden. Falls es um Kommunikationsschwierigkeiten geht kann dies Entschlüsseln oder Aktives Zuhören sein. Beides sind genau vorgegebene Gesprächsregeln, die folgende Auswirkung auf Eure Kommunikation haben:

A. Mehr Wertschätzung: Durch bewusstes Zuhören bekommst Du Aufmerksamkeit und Wertschätzung. 

B. Mehr Nähe und Intimität: Durch das Gefühl, dass Dir jemand zuhört und Du Dich dadurch geschätzt fühlst, entsteht Nähe und damit Intimität. Damit wird es leichter aufeinander zu zugehen. Dies gilt für beide Seiten :-) 

C. Klarheit und Struktur: Der Gesprächsablauf ist bei den Kommunikationswerkzeugen vorgegeben. Gleichzeit bemüht ihr euch beide um Klarheit in der Frage und deren Beantwortung. 

In allen 3 oben genannten Punkten geht es auch darum, dass es durch die Beziehungskarten zu einem "Slow-Down-Prozess" kommt. Der klar geregelte Gesprächsverlauf wird konflikt-deeskalierend und erleichtert es gemeinsam Lösungen zu finden. 

Was sind die langfristige Effekte der Kommunikations-Werkzeuge?

Die langfristigen Effekte sind Veränderungen beim Sprechen und beim Zuhören. Der Sender (= Sprecher) lernt sich klarer auszudrücken. Zudem achtet er darauf, dass die Rahmenbedingungen für ein Gespräch optimal sind. Dies gilt für den Ot an dem miteinander gesprochen wird und für die Zeit, die sich beide  dafür nehmen. 

Der Empfänger (= Zuhörer) lernt aktives Zuhören. Das bedeutet, dass wir zum Beispiel zuhören ohne die eigene Antwort im Kopf vorzuformulieren. Vielmehr geht es uns darum den Sender (=Sprecher) wirklich zu verstehen und genau alles zu hinterfragen, dass uns nicht klar ist in der abgeschickten Botschaft des Senders. 

Der "Wunder-Effekt" dieser Art von Kommunikation besteht interessanterweise darin, dass

  • Deine Präsenz und Aufmerksamkeit steigt
  • es zu weniger Konflikteskalationen kommt
  • Dein Gegenüber sich wertgeschätzt und gehört fühlt und dadurch
  • Lösungen sichtbar werden

Was sind die Störquellen wertschätzender Kommunikation?

Die klassischen Störquellen wertschätzender Kommunikation sind Dinge und Umstände, die unsere Aufmerksamkeit "stehlen". Es sind Situationen in denen unser Schatz mit uns redet und wir es nicht schaffen so zuzuhören, wie es das Gegenüber gerade braucht. 

Die Störquellen sind oft Situationen, die wir nicht gut ändern können. Dies ist z.B. der Fall, wenn Du Kinder hast. Wenn deren Bedürfnisse vorgehen ist es kaum möglich ein Gespräch zu führen bei dem beide Seiten mit voller Aufmerksamkeit zuhören und  sprechen. Daher rate ich Eltern die wichtigen Beziehungsthemen miteinander zu besprechen, sobald die Kinder schlafen. So einfach dieser Tipp in der Theorie, so schwierig ist die Umsetzung im Alltagsstress. Oft sind wir am Ende eines kinder- und arbeitsreichen Tages zu müde um zu reden und zuzuhören. Dann gilt  es sich einen Zeitpunkt zu vereinbaren, an dem dies nicht der Fall ist. Denn glückliche Beziehungen brauchen regelmäßig den Austausch über die Dinge, die im Leben passieren. Egal ob es um Arbeit oder Kinder oder Sorgen oder Zukunftsgedanken oder Urlaub geht. Wichtig ist, dass regelmäßiger Austausch zwischen beiden besteht und betrieben wird. Sonst ist es auf Dauer kaum möglich zu merken, wie es Deinem Schatz geht. 

Welches Kommunikationswerkzeug passt zu mir? 

Das hängt davon ab, in welcher Beziehungsphase ihr euch gerade befindet. Es kann auch davon abhängen, wobei sich der Streit oder Beziehungsstress am meisten zeigt. Je nachdem was Euch beide auf die Palme bringt, braucht es ein anderes Kommunikations-Werkzeug. Einen Überblick über 7 verschiedene Kommunikations-Werkzeuge findest du hier. 

Welche Fragen sollte ich mir und meiner Beziehung regelmäßig stellen, damit die Beziehung glücklich bleibt? 

Es ist klar, dass es hier nicht eine Antwort geben kann, die für alle Paare gleich gilt. Gemeinsam ist allen Paaren, dass es wichtig ist in regelmäßigen Abständen miteinander herauszufinden wie es Euch geht. Dabei sollte es um die Bedürfnisse und Wünsche ebenso gehen wie um Ziele und die persönliche Zufriedenheit. Denn diese Beziehungsparameter ändern sich. Ein Paar, dass gerade ein kleines Baby bekommen hat ist in einer anderen Beziehungsphase als ein Paar dessen Kinder in die Schule gehen oder bei dem die Kinder ausgezogen sind. 

Neulich hat mir eine Frau erzählt, dass Sie sich erst wieder finden mussten nachdem die  Kinder aus dem Haus waren. Beide hatten so viel gearbeitet und dafür gesorgt, dass es den Kindern gut geht. Dabei hatten sie ganz vergessen auf die Beziehung zu schauen. Plötzlich rücken wir unsere Aufmerksamkeit auf die Beziehung. Für viele ist der Blick auf das was einen verbindet ein Schock. Für manche ist es eine Ernüchterung. Für wenige ist es die Vorfreude auf das was  noch kommt. 

Welche Fragen sind wichtig? 

Ich habe mir vor 10 Jahren diese Frage gestellt und begonnen alle aktuellen Studien über Beziehungen zu lesen. Aus diesen Studien habe ich die 100 wichtigsten Beziehungsfragen herausgefiltert. Den Großteil der Fragen findest Du im Beziehungskoffer auf Fragekarten wieder. Dazu gibt es eine Anleitung, da jede Frage einem Kommunikations-Werkzeug zugeordnet wurde. Das Ziel der Fragen ist es miteinander so ins Gespräch zu kommen, dass Sprechen und Zuhören für beide Seiten ein positives Erlebnis wird. 

3. Wie wirken sich Kinder auf die Beziehung aus? 

Ich halte  seit einigen Jahren Vorträge zum Thema "Wenn das erste Kind wie eine Bombe in die Beziehung einschlägt". Dabei habe ich versucht herauszufinden, was in den meisten Beziehungen in den ersten Jahren passiert. 

Viele Paare erleben im ersten Jahr nach der Geburt des Kindes einen Rückgang der Beziehungszufriedenheit. 70% der Frauen sind mit ihrer Beziehung im ersten Jahr weniger zufrieden als sie es vor der Geburt waren. Die Ursachen sind manigfaltig. Dabei ist es meiner Ansicht nach oft interessanter auf die andere Seite zu schauen, wo das Gras grüner ist. Die Frage ist, was machen die 30% der Frauen, die mehr Beziehungsglück und Zufriedenheit erleben im ersten Jahr nach der Geburt ihres Kindes? Was machen Sie anders? 

Die glücklichen Frauen und Männer schaffen es zum Beispiel die Verantwortung für das erste Kind miteinander zu teilen. So einfach dies klingt, so schwierig ist es sich bei einem Säugling darauf zu verlassen, dass der/die Andere die Entscheidungen so trifft, dass es für alle 3 passt. 

Denn genau darum geht es. Die Entscheidung soll für alle passen. Sie muss nicht perfekt sein, aber es sollen alle 3 (die Eltern und das Kind) zufrieden und womöglich glücklich sein. Dies ist vor allem für viele Frauen eine Herausforderung. In den meisten Fällen bleiben sie im ersten Jahr und länger bei dem Kind zuhause. Somit wird die Kindererziehung im Alltag zur Aufgabe eines Elternteiles. In glücklichen Beziehungen schaffen es die Eltern, dass beide für die Kindererziehung verantwortlich sind. Dies ist in der Tat wichtig, und dennoch nicht selbstverständlich. Gemeinsame Verantwortung bedeutet hier, dass es 2 Ansätze gibt die nebeneinander und miteinander bestehen können. Egal ob es um Essen, Anziehen, Grenzen etc. geht - das Kind erlebt dass Vater und Mutter unterschiedliche Zugänge und Ansätze verfolgen. Für Mütter ist dies oft schwierig, da sie sich an einen bestimmten Ablauf gewöhnt haben und daher überzeugt sind den "richtigen" Weg bzw. die "beste" Methode gefunden zu haben. 

Auf der Beziehungsebene ist es sehr wichtig, dass der Partner/die Partnerin bei der Kindererziehung mitbestimmen kann. Dies gilt dann auch für den Alltag. Die Hausaufgaben zuhause und im Haushalt sowie bei der Kindererziehung werden in glücklichen Beziehungen von beiden Eltern gemeinsam erledigt. Hier hilft nicht eine Seite der anderen, sondern zwei Menschen bewältigen gemeinsam die Herausforderungen des Alltags. Wie Du Dir vorstellen kannst, hat die Lösung dieser Frage viel mit der persönlichen Einstellung zu tun. Wenn Du z.B. Konfliktscheu bist, wird es viel schwieriger die oben beschriebene Ausgangslage einzufordern. Denn konfliktfreies Erziehen und Abstimmen gelingt nur ganz wenig Paaren. 

4. Beziehungsprobleme: Wie gehe ich mit Stress in der Beziehung um?

Beziehungsprobleme kommen in den besten Beziehungen vor. Der Auslöser sind manchmal externe Faktoren (Krankheit oder Tod einer nahe stehenden Person, Trennung-Scheidung). Interne Faktoren (z.B. die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, Arbeitsstress und mein Umgang damit) sind auch oft Auslöser für Beziehungsprobleme.

In den meisten Fällen liegt die Lösung für Beziehungsprobleme in einer Mischung aus Analyse (z.B. Paarkommunikationsanalyse) und der Anwendung von Kommunikations-Werkzeugen und Regeln. Oft brauchen Paare jemanden (z.B. ein Mediator) mit dem sie den Blick auf das Gemeinsame wieder finden. 

Was kann ich sofort gegen Stress in der Beziehung tun?

Mein erster Tipp ist "SLOW-DOWN". Damit meine ich, dass der Stress in der Beziehung oft damit zu tun hat, das wir zu viel tun und zu viel wollen. Egal ob mit oder ohne Kinder, wenn der Terminkalender so voll ist, dass wir kaum etwas spontan entscheiden oder machen können, dann ist es  Zeit für einen Slow-Down. Konkret bedeutet dies dass ihr gemeinsam oder jeder alleine Termine aus dem Kalender streicht oder diese nach hinten verschiebt. 

Wie die Perfektionismusfalle den Beziehungsstress hoch hält

Die meisten Paarbeziehungen erleben im Laufe der Zeit wie die To do Liste länge rund länger wird. Der Anspruch z.B. eine saubere Wohnung zu haben oder schön auszusehen, fit zu sein, den Kindern alle zu ermöglichen was wichtig ist etc. etc. ist so hoch, dass der Perfektionismus zur Beziehungsfalle wird. Wir brauchen so viel Energie und  Zeit um alle Anforderungen an uns selbst zu erfüllen, dass wir nicht merken wie wir die Beziehung dabei vernachlässigen. Oder noch ehrlicher formuliert: Die Beziehung schreit nicht so laut wie die schmutzige Wohnung oder ein Kind mit Bedürfnissen und kommt dabei schneller unter die Räder. Doch der Preis den wir für unseren Perfektionismus zahlen ist hoch. Der Perfektionismus führt zu Alltagsstress und innerer Unzufriedenheit, da wir selten alles schaffen was wir uns vornehmen. Außerdem löst die Perfektionismusfalle auch Unzufriedenheit mit dem Partner aus. In vielen Beziehungen fühlen Paare, dass sie viel mehr  tun als der Partner / die Partnerin und dass sie nicht ausreichend geschätzt werden für die eigenen Taten. Für das Beziehungsgleichgewicht wirkt der Perfektionismus wie ein Gift, dass die Kommunikation und die Fähigkeit aufeinander zuzugehen killt. 

5. Trennung und Scheidung: Was kann ich tun, damit es nicht soweit kommt?

In meiner Arbeit als Mediator erlebe ich sehr oft, dass Paare zu spät in die Mediation kommen. Ihre Fähigkeit miteinander Lösungen zu erarbeiten wird blockiert von den Verletzungen, die sie sich über die Jahre gegenseitig zugefügt haben. Dabei geht es oft nicht nur darum was Paare zueinander sagen, sondern vielmehr wie sie es zueinander sagen.... Der bekannte Spruch "Der Ton macht die Musik" gilt auch für Paarbeziehungen. 

Was hilft uns wirklich? 

Meiner Ansicht nach ist Beziehungswissen das beste Mittel gegen Trennung und Scheidung. Nur in ganz wenigen Fällen - so mein Eindruck - ist es von Anfang an klar, dass ein Paar  einfach nicht zusammenpasst. Viel öfter haben sich Paare auseinander gelebt weil sie die Herausforderungen des Beziehungsalltags unterschätzt haben. 

Was sind die größten Herausforderungen des Beziehungsalltags?

Einen Teil der Herausforderungen habe ich oben im Kapitel zur Perfektionismusfalle beschrieben. Eine weitere Herausforderung sind unsere unklaren Erwartungen an uns selbst, an den Partner und an die Beziehung. Die meisten Paare  wünschen sich eine glückliche Beziehung. Sie wissen aber oft gar nicht was das bedeutet. Sehr selten haben Paare ein Vorbild für eine glückliche Beziehung. Wenn sie ein Vorbild haben, kennen sie nur einen Teil der Geschichte warum dieses Paar glücklich ist. 

Wer sind Deine Vorbilder einer glücklichen Beziehung?

Mein Vorbild für eine glückliche Beziehung waren z.B. meine Großeltern. Nicht nur habe ich beide geliebt und sie mich auch, sondern die Art und Weise wie sie leise und sehr eindeutig die gegenseitige Liebe ausgedrückt haben, hat mich beeindruckt. Ich habe meine Großeltern nie streiten gehört. Das würde ich heute z.B. nicht mehr als Kennzeichen einer glücklichen Beziehung sehen. So ändern sich die Zeiten :-) Der springende Punkt ist für mich, dass Vorbilder uns helfen können, aber vielleicht nicht mehr 1:1 anwendbar sind.

Oft erzählen  mir Paare, dass sie nur einzelne Teile der Vorbilder für sich anwenden können. Meistens sind die eigenen Eltern nicht das Vorbild für eine glückliche Beziehung. Dies hat sehr große Folgen für die eigene Beziehung. Wenn unsere Eltern uns nicht vorgelebt haben wie sie Konflikte lösen und wie sie konstruktiv streiten, haben  wir dies meistens selbst auch nicht gelernt. Selbiges gilt für das Ausdrücken unserer Bedürfnisse. Je nach Beziehungsmodell der Eltern haben wir eine Vorstellung was wir selbst entweder genau so oder eben komplett anders wollen. Das dies für eine glückliche Beziehung nicht ausreicht, merken viele Paare erst viel später wenn es in der eigenen Beziehung lauter wird.

John Gottman, ein amerikanischer Beziehungsforscher kann die Scheidungswahrscheinlichkeit eines Paares mit über 90%iger Sicherheit vorhersagen nachdem er das Paar beobachtet wie sie miteinander kommunizieren. 

Der Schlüssel zur glücklichen Beziehung liegt in der Kommunikation 

Wenig Überraschung ist die gemeinsame Kommunikation einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren einer glücklichen Beziehung. Damit ist sie auch eine der Faktoren, die uns vor Trennung und Scheidung schützen können. Solange ihr euch einander zuwendet, für einander interessiert und es schafft gemeinsam Probleme zu bewältigen und euch zuzuhören, ist aus meiner Sicht der Großteil der Beziehungsarbeit getan. Auf dieser Basis schaffen Paare es externe Herausforderungen wie den Tod eines nahestehenden Verwandten oder Arbeitslosigkeit, Krankheit etc. zu bewältigen. Erst wenn die Kommunikation nicht mehr funktioniert, werden die Aufgaben des Alltags immer schwerer zu bewältigen. 

Wann ist der optimale Zeitpunkt sich professionelle Hilfe zu holen? 

Gehen wir davon aus, dass Du Dir Beziehungswissen angeeignet hast und dieses auch anwendest in Deiner Beziehung. Dennoch scheint es nicht zu klappen bzw. zu funktionieren mit der glücklichen Beziehung. Das wäre meiner Ansicht nach eine guter Moment um miteinander den Beziehungskoffer anzuwenden. Darin findest Du z.B. neben den oben erwähnten Kommunikations-Werkzeugen eine Paarkommunikationsanalyse und eine Mediation ohne Mediator. Beides sind Möglichkeiten herauszufinden, wo  wann und woran es bei Eurer Kommunikation hakt. 

Die 18-Monate-Regel

Laut einer Studie gibt es auch für Paare mit einem Kind einen optimalen Zeitpunkt sich von außen Hilfe zu holen. Dies ist 18 Monate nach der Geburt des ersten Kindes. Die 18-Monate-Regel leuchtet mir auch aus meiner eigenen Praxis heraus als Vater eines kleinen Jungen ein. Im ersten Jahr waren wir als Eltern noch sehr im Hormonhoch bzw. Hormontief je nachdem um welche Herausforderung es ging. Nach 12 Monaten hat meine Frau begonnen zu arbeiten und ich war mit dem  Junior zuhause. Insgesamt nach 18 Monaten hatte sich alles eingespielt. Es gab wieder ausreichend Zeit und Platz auf die eigenen Bedürfnisse und die der Beziehung zu schauen.